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Was kostet musikalische Früherziehung in der Kita? Modelle, Preisbausteine und Förderung

von Clara Sommer6. Oktober 20268 Min. Lesezeit
Eine Kursleiterin trommelt mit sechs Kleinkindern im Kreis auf einem Teppich im Gruppenraum, die Kinder spielen Xylofon, Rasseln und eine bunte Trommel

Vier Wege, wie Musikunterricht in die Kita kommt

Musikalische Früherziehung hat kein festes Preisschild. Wer bezahlt und wer organisiert, prägt die Kosten oft stärker als der Inhalt der Stunde. Vier Modelle lassen sich unterscheiden.

Kurs in der Kita, bezahlt von den Eltern

Eine Musikpädagogin kommt während der Betreuungszeit in die Einrichtung und arbeitet mit einer festen Kleingruppe. Die Eltern melden ihr Kind an und zahlen direkt an den Anbieter, die Kita stellt Raum und Zeitfenster. Familien sparen sich Fahrten am Nachmittag, die Kita bekommt keine Rechnung. So arbeitet auch LearningBirds, mit bis zu sechs Kindern ab zwei Jahren, 45 Minuten pro Stunde und Instrumenten, die die Kursleiterin mitbringt. Den Ablauf für Einrichtungen beschreibt die Seite Musik als Kita-Kooperation.

Musikschule am Nachmittag

Der klassische Weg führt nach der Kita in eine Musikschule. Der Verband deutscher Musikschulen ordnet die Musikalische Früherziehung in seinem Strukturplan der Elementarstufe zu: für Kinder zwischen drei oder vier und sechs Jahren, ohne Voraussetzungen, in Großgruppen, mit ein bis zwei Unterrichtseinheiten pro Woche und einer Dauer von etwa zwei Jahren [1]. Bezahlt wird nach der Entgelt- oder Gebührenordnung der jeweiligen Schule. Hinzu kommt ein Posten, der auf keiner Rechnung steht: Jemand muss das Kind bringen und wieder abholen.

Kita oder Träger zahlen pauschal

Manche Einrichtungen finanzieren ein Musikangebot aus dem eigenen Budget oder über einen Förderverein, damit alle Kinder einer Gruppe teilnehmen. Der VdM beschreibt Angebote der Elementaren Musikpädagogik in Zusammenarbeit mit Kitas als zunehmende Praxis in der kommunalen Bildungslandschaft und nennt ihre Dauer programmbezogen und örtlich bestimmt [1]. Für die Einrichtung ist das eine laufende Ausgabe, die jedes Jahr neu im Haushalt Platz finden muss.

Landesprogramme

In Baden-Württemberg verbindet das Programm Singen-Bewegen-Sprechen (SBS) Musik gezielt mit Sprachförderung. Eine SBS-Maßnahme umfasst 36 Stunden im Kindergartenjahr und wird im Tandem von einer pädagogischen und einer musikpädagogischen Fachkraft gestaltet [2]. Wie die Förderung funktioniert, steht weiter unten.

Oft fällt in diesem Zusammenhang auch der Name JeKits aus Nordrhein-Westfalen. Das Programm ist zum Schuljahr 2015/16 als Nachfolger von „Jedem Kind ein Instrument“ gestartet, richtet sich an Grund- und Förderschulen und wird vom Land finanziert [3]. Für Kitas ist es also kein Weg.

Was öffentliche Musikschulen verlangen: zwei veröffentlichte Entgeltordnungen

Belastbare Zahlen stehen in den Entgelt- und Gebührenordnungen der Musikschulen selbst. Die beiden folgenden Beispiele sind Einzelfälle mit Ort und Stand, kein bundesweiter Maßstab.

In Monheim am Rhein kostet die Musikalische Früherziehung mit 60 Minuten laut Entgeltordnung 276 Euro im Jahr, fällig in zwölf gleichen Monatsbeträgen von 23 Euro [4]. Dieselbe Ordnung gewährt Geschwistern 20 Prozent Ermäßigung und auf Antrag Sozialermäßigungen von 80 oder 50 Prozent [4].

Die Städtische Sing- und Musikschule Erlangen führt die Musikalische Früherziehung mit 50 Minuten in ihrer Entgelttabelle (Stand 19.03.2025) mit 237 Euro jährlich, das entspricht 19,75 Euro im Monat, für Familien mit Wohnsitz außerhalb Erlangens mit 284,40 Euro jährlich [5]. Zusätzlich weist die Tabelle einen Verwaltungszuschlag von 20 Euro aus [5].

Keine der beiden Ordnungen legt für die Früherziehung eine feste Gruppengröße fest, der VdM spricht allgemein von Großgruppen [1]. Fragen Sie deshalb nach, mit wie vielen Kindern eine Gruppe tatsächlich startet.

Gruppe, Instrumente, Ausfall: was ein Musikpreis abdeckt

Gruppengröße und Stundenlänge

Je weniger Kinder in einer Gruppe sind, desto mehr Zeit bleibt für jedes einzelne, und desto höher fällt der Betrag pro Kind aus. Notieren Sie neben der Gruppengröße immer die Länge einer Einheit. Die beiden Musikschulbeispiele rechnen mit 60 und 50 Minuten [4] [5]. Zehn Minuten Unterschied pro Woche summieren sich über ein Jahr.

Instrumente und Material

Klären Sie, ob die Kursleitung alle Instrumente mitbringt oder ob Kita oder Eltern etwas anschaffen sollen. Welche Instrumente zu welchem Alter passen, zeigt der Beitrag Rhythmusinstrumente für Kinder: Ab welchem Alter was passt.

Qualifikation der Kursleitung

Einen guten Vergleichsmaßstab liefert ausgerechnet ein Förderprogramm: Für SBS muss die musikpädagogische Fachkraft eine abgeschlossene Hochschulausbildung in Elementarer Musikpädagogik, Rhythmik oder einem verwandten Fach haben oder gleichwertige Kenntnisse nachweisen und zusätzlich zertifiziert sein [2]. Bei frei gebuchten Kursen fragen Sie selbst nach Ausbildung, Erfahrung mit Kleinkindern und einem erweiterten Führungszeugnis.

Aufführungen und Feste

Ein kleines Konzert beim Sommerfest freut Kinder und Eltern, kostet aber Unterrichtszeit. Die Monheimer Ordnung regelt das ausdrücklich: Bis zu zweimal im Schuljahr kann der Unterricht als Schülerkonzert stattfinden, ohne dass dies als Ausfall gilt [4]. Fragen Sie bei jedem Anbieter, ob Auftritte vorgesehen sind, ob sie freiwillig sind und ob Zusatzproben extra berechnet werden.

Regeln bei Ausfall und Krankheit

Hier unterscheiden sich Angebote am stärksten. In Monheim wird für jeden Termin, den die Musikschule zu vertreten hat und nicht nachholen kann, ein Vierzigstel des Jahresentgelts erstattet, und bei längerer Krankheit eines Kindes kann der Unterricht auf Antrag ohne Entgeltpflicht unterbrochen werden [4]. Andere Anbieter holen Stunden nach, verrechnen sie oder schließen einen Ausgleich ganz aus. Lassen Sie sich die Regel schriftlich geben, bevor Sie unterschreiben.

Monatsbeitrag oder Preis pro Stunde: so vergleichen Sie fair

Musikschulen nennen meist einen Jahres- oder Monatsbetrag, Kursanbieter in der Kita eher einen Preis pro Kind und Stunde. Um beides nebeneinanderzulegen, brauchen Sie die Zahl der Termine, die der Beitrag abdeckt. Steht sie nicht im Vertrag, fragen Sie danach. Die Monheimer Ordnung gibt einen Anhaltspunkt, weil sie Ausfälle mit einem Vierzigstel von 276 Euro Jahresentgelt erstattet, rechnerisch also 6,90 Euro je Termin in der Großgruppe [4].

Danach legen Sie Stundenlänge und Gruppengröße daneben. Ein günstiger Termin in einer großen Gruppe am Nachmittag ist etwas anderes als eine Stunde in der Kleingruppe während der Betreuungszeit.

Zur Einordnung die Zahlen von LearningBirds: 15 Euro pro Kind und Kursstunde von 45 Minuten, in Gruppen mit höchstens sechs Kindern. Im Paket kosten 10 Kursstunden 145 Euro und 20 Kursstunden 280 Euro, für Geschwister gibt es 10 Prozent Rabatt. Die Kurse laufen halbjährlich und sind zum Ende jedes Kurshalbjahres mit sechs Wochen Frist kündbar, für die Kita ist die Kooperation kostenlos. Alle Konditionen stehen auf der Seite Preise.

Wie Sie Gruppenpreise und Pakete Schritt für Schritt umrechnen, zeigt der Beitrag Was kostet Englisch in der Kita? am Beispiel Englisch. Die Methode lässt sich auf Musik direkt übertragen.

Förderung: wer Zuschüsse bekommt und wofür

Bildungs- und Teilhabepaket für Familien

Für die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben gibt es im Bildungspaket pauschal 15 Euro im Monat, als Nachweis genügt zum Beispiel der Unterricht in einer Musikschule [6]. Ob Ihre Familie leistungsberechtigt ist und welche Kurse anerkannt werden, klärt die zuständige Stelle vor Ort. Auch die Kurse von LearningBirds können über das Bildungs- und Teilhabepaket gefördert werden.

Singen-Bewegen-Sprechen in Baden-Württemberg

Bei SBS beantragt nicht die Familie, sondern der Träger der Kita. Der Zuschuss beträgt 2.200 Euro pro Fördergruppe, für Elterngespräche kommen 20 Euro je Gespräch hinzu [2]. Zuwendungsempfänger können ausschließlich kommunale und freie Träger sein, und das Geld darf nur für Personalaufwendungen des Kooperationspartners verwendet werden, also einer öffentlichen Musikschule oder eines Vereins der Amateurmusik [2]. In jeder Gruppe müssen mindestens drei Kinder einen besonderen Sprachförderbedarf haben [2].

Ob Eltern trotzdem etwas zahlen, entscheidet der Träger. Die FAQ der ARGE SBS empfiehlt ausdrücklich, die Maßnahme ohne zusätzliche Elternbeiträge durchzuführen [2]. SBS ist also kein Kurs, den Eltern buchen, sondern eine Fördermaßnahme des Trägers.

Vor der Entscheidung: Fragen für Eltern und Kita-Leitungen

Wenn Sie als Eltern vergleichen

  • Wie viele Termine deckt der Beitrag im Jahr oder Halbjahr ab, und was gilt in den Ferien?
  • Wird ausgefallener Unterricht nachgeholt, erstattet oder gar nicht ausgeglichen?
  • Gibt es Ermäßigungen für Geschwister oder Familien mit geringem Einkommen?
  • Findet die Stunde in der Betreuungszeit statt, oder müssen Sie Ihr Kind bringen?
  • Wie lange binden Sie sich, und mit welcher Frist können Sie kündigen?

Wenn Sie als Leitung planen

  • Wer ist Vertragspartner, und wer rechnet ab: Eltern, Einrichtung oder Träger?
  • Bringt die Kursleitung die Instrumente mit, oder braucht die Kita eigene?
  • Welche Ausbildung hat die Kursleitung, und liegt ein erweitertes Führungszeugnis vor?
  • Wie werden Kinder betreut, die nicht angemeldet sind, während die Musikstunde läuft?
  • Kommt ein Landesprogramm in Frage, das der Träger beantragen kann?

Was Musik in diesem Alter bewirkt und ab wann sie sinnvoll ist, lesen Sie in Musikalische Früherziehung: Was sie bringt und ab wann. Ideen für Lieder und Rhythmus im Gruppenalltag sammelt Musik im Kindergarten. Wie eine Stunde inhaltlich aufgebaut ist, beschreibt die Seite Musikerziehung für Kinder von 2 bis 6 Jahren.

Häufige Fragen

Was kostet musikalische Früherziehung in der Musikschule?

Das legt jede Musikschule in ihrer Entgelt- oder Gebührenordnung fest, meist als Jahresbetrag in Monatsraten. Zwei veröffentlichte Beispiele aus Monheim am Rhein und Erlangen finden Sie im Artikel. Achten Sie neben dem Betrag auf Stundenlänge, Gruppengröße, Ermäßigungen und Verwaltungsgebühren.

Was kostet ein Musikkurs in der Kita bei LearningBirds?

15 Euro pro Kind und Kursstunde von 45 Minuten, in Gruppen mit bis zu sechs Kindern. 10 Kursstunden kosten 145 Euro, 20 Kursstunden 280 Euro, Geschwister erhalten 10 Prozent Rabatt. Die Eltern zahlen per Lastschrift direkt an LearningBirds, für die Kita ist die Kooperation kostenlos.

Wer zahlt, wenn die Kita einen Musikkurs anbietet?

Das hängt vom Modell ab. Entweder zahlen die Eltern pro Kind an den Anbieter, oder Kita, Träger oder Förderverein übernehmen die Kosten ganz oder teilweise. Klären Sie vor dem Start, wer Vertragspartner ist und wer abrechnet.

Gibt es Zuschüsse für musikalische Früherziehung?

Familien mit Anspruch können Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket nutzen, viele öffentliche Musikschulen haben zusätzlich Sozialermäßigungen. In Baden-Württemberg können Kita-Träger für das Programm Singen-Bewegen-Sprechen einen Landeszuschuss beantragen, wenn Kinder mit besonderem Sprachförderbedarf in der Gruppe sind.

Gilt JeKits auch für Kitas?

Nein. JeKits ist nach eigener Darstellung ein Bildungsprogramm für Grund- und Förderschulen in Nordrhein-Westfalen. Für Kinder im Kita-Alter kommen Kurse in der Einrichtung, die Musikschule oder trägerfinanzierte Angebote in Frage.

Quellen

  1. [1]Strukturplan des VdM: Elementarstufe / Grundstufe (Verband deutscher Musikschulen)
  2. [2]FAQ Förderung: Singen-Bewegen-Sprechen im Rahmen von Kolibri (ARGE SBS)
  3. [3]JeKits: Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen (Bildungsprogramm des Landes NRW)
  4. [4]Entgeltordnung der Musikschule der Stadt Monheim am Rhein (Ortsrecht 44.2)
  5. [5]Entgelttabelle der Städtischen Sing- und Musikschule Erlangen, Stand 19.03.2025
  6. [6]Leistungen des Bildungspakets (Bundesministerium für Arbeit und Soziales)
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