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Kraulen lernen für Kinder: So gelingt der erste Kraulzug

von Johanna Berger15. September 20268 Min. Lesezeit
Ein Kind übt im Schwimmbecken den Kraul-Beinschlag mit ausgestreckten Armen auf einem Schwimmbrett, eine Kursleiterin schwimmt im Wasser daneben und gibt Anleitung

Ab wann können Kinder Kraulen lernen?

Kraulen lernen Kinder in der Regel als Aufbaustufe nach dem Seepferdchen, nicht als Einstieg ins Schwimmen. Die DLRG gibt zur Orientierung, dass die eigentliche Schwimmausbildung meist mit etwa 5 Jahren beginnt; davor steht die Wassergewöhnung im Vordergrund. Wenn Ihr Kind das Seepferdchen-Abzeichen besitzt, hat es damit gezeigt, dass es die Grundlagen beherrscht. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um mit der ersten Schwimmtechnik in Grobform zu starten, aber noch kein Nachweis für sicheres Schwimmen.

Was bescheinigt das Seepferdchen tatsächlich?

  • Sprung vom Beckenrand mit anschließendem 25 m Schwimmen in einer Schwimmart in Bauch- oder Rückenlage (Grobform, während des Schwimmens in Bauchlage erkennbar ins Wasser ausatmen)
  • Heraufholen eines Gegenstandes mit den Händen aus schultertiefem Wasser, wobei sich die Schultertiefe auf das Kind bezieht
  • Kenntnis der Baderegeln als theoretische Prüfungsleistung

Diese Anforderungen zeigen: Das Seepferdchen bescheinigt Wassergewöhnung und eine erste Schwimmart in Grobform, nicht ausdauerndes Schwimmen. Als sicherer Schwimmer gilt ein Kind erst mit dem Deutschen Schwimmabzeichen Bronze, dem Freischwimmer, das unter anderem 15 Minuten Schwimmen mit mindestens 200 Metern verlangt.

Für die Praxis heißt das: Nach dem Seepferdchen ist der richtige Moment, gezielt eine Schwimmart aufzubauen. Genau hier setzt das Kraulschwimmen an, denn es lässt sich in kleinen, gut übbaren Teilschritten erlernen. Wenn Sie wissen möchten, ab welchem Alter ein Schwimmkurs insgesamt sinnvoll ist, finden Sie dazu unseren Ratgeber Schwimmen lernen: ab welchem Alter?

Kraul oder Brust: die richtige Reihenfolge nach dem Seepferdchen

Viele Eltern fragen sich, ob nach dem Seepferdchen zuerst Brustschwimmen oder Kraulschwimmen dran ist. Die DLRG beschreibt das Kraulschwimmen als die effektivste Schwimmart, weil die Bewegungen unseren normalen Bewegungsmustern folgen. Kraul ist eine Wechselschwimmart: Die Arme ziehen abwechselnd, die Beine schlagen abwechselnd. Genau dieses alternierende Muster kennen Kinder aus dem Laufen und Kriechen, was den Einstieg motorisch erleichtert.

MerkmalKraul (Wechselschwimmart)Brust (Gleichschlagschwimmart)
ArmbewegungArme ziehen abwechselnd, ein Arm arbeitet stets, während der andere vorschwingtBeide Arme ziehen gleichzeitig und symmetrisch
BeinschlagWechselbeinschlag, die Beine schlagen abwechselnd aus der HüfteSymmetrischer Grätschschwung mit angezogenen Fersen
AtmungSeitlich zum Armzug, das Gesicht bleibt dabei niedrigEinatmen nach vorn, an jeden Zug gebunden
Rolle im WasserKörper rollt um die Längsachse, flache WasserlageOberkörper hebt sich mit jedem Zug aus dem Wasser

Fachleute halten den Kraul-Beinschlag motorisch für einfacher als den symmetrischen Brustbeinschlag: Der Brustgleichschlag ist laut Schwimm-Lehrmittel deutlich schwieriger zu lernen, weil die koordinative Anforderung des Gleichschlags höher ist. Dazu kommt die Körperlage: Beim Kraul liegt das Kind flach im Wasser und rollt um die Längsachse, was die Wirbelsäule entlastet, während beim Brustschwimmen der Oberkörper bei jedem Zug angehoben wird. Deshalb empfehlen viele Schwimmpädagogen, nach dem Seepferdchen mit Kraul zu beginnen und Brust als zweite Schwimmart aufzubauen.

Schritt 1: Der Kraul-Beinschlag

Der Kraul-Beinschlag ist die Basis, denn er stabilisiert die Wasserlage und liefert einen gleichmäßigen Grundantrieb. Richtig ausgeführt kommt der Schlag aus der Hüfte, die Beine bleiben lang und arbeiten knapp unter der Wasseroberfläche, während Fuß- und Kniegelenke locker bleiben. Ein verkrampftes Fußgelenk bremst den Schlag spürbar, und zu große Scherenbewegungen kosten Kraft, ohne vorwärtszubringen. Im Gesamtkraul arbeiten die Beine rhythmisch und dauerhaft, aber nicht mit voller Kraft, typisch sind etwa sechs Beinschläge pro Armzyklus.

Die Übungsreihe für den Beinschlag

  1. 1.Beinschlag im Sitzen am Beckenrand üben: Das Kind sitzt am Rand und schlägt die Beine im Wasser, so lässt sich der Rhythmus ohne Schwimmbelastung spüren
  2. 2.Beinschlag in Rückenlage: Das Kind legt sich auf den Rücken, die Hände können am Beckenrand oder locker neben dem Körper bleiben, der Blick zeigt nach oben
  3. 3.Beinschlag in Bauchlage mit Schwimmbrett: Das Kind stößt sich ab, hält das Brett vor sich und schlägt über kurze Strecken, dabei liegt das Gesicht im Wasser und der Blick zeigt nach unten

Das Schwimmbrett hat dabei eine doppelte Funktion: Es gibt Auftrieb und nimmt dem Kind die Sorge um die Wasserlage, sodass die gesamte Aufmerksamkeit auf dem Beinschlag bleibt. Wichtig ist, die Strecken kurz zu halten und auf saubere Schläge zu achten, statt lange, erschöpfende Strecken zu schwimmen. Auch die Übung, 25 Meter nur mit Kraulbeinschlag und vorgestreckten Armen zu schwimmen, stärkt Kraftausdauer und Rhythmus für die spätere Gesamtkoordination.

Schritt 2: Der Wechselarmzug

Sitzt der Beinschlag, baut der Armzug den Hauptantrieb auf. Der Kraularmzug läuft in vier Phasen ab: Eintauchen, Ziehen, Drücken und Rückholen. Für Kinder lassen sich daraus vier Merkmale ableiten, die Sie beim Zuschauen leicht prüfen können:

  • Die Hand taucht schulterbreit vor der Schulter ins Wasser ein, nicht vor der Körpermitte und nicht zu nah am Kopf
  • Der Ellenbogen bleibt beim Vorschwung über Wasser hoch, er ist der höchste Punkt des Arms
  • Unter Wasser zieht die Hand in einem bogenförmigen S-artigen Weg am Körper vorbei und schiebt das Wasser zum Schluss nach hinten weg, bis der Arm gestreckt ist
  • Der Körper rollt mit jedem Zug um die Längsachse, diese Rolle hilft dem Arm, schultergelenkschonend über Wasser zu schwingen

Gut geeignete Übungen für diesen Schritt sind der einarmige Kraulzug, bei dem ein Arm das Schwimmbrett hält und der andere arbeitet, sowie das Kraul mit Pull-Buoy: Ein Pull-Buoy oder ein kleines Brett wird zwischen die Oberschenkel geklemmt, der Beinschlag entfällt, und das Kind kann sich ganz auf die Armbewegung konzentrieren. Der Pull-Buoy hat dabei einen angenehmen Nebeneffekt: Er stützt die Beine im Wasser, sodass sie beim reinen Armzugtraining nicht absinken. Beginnen Sie auch hier mit kurzen Strecken und ohne Seitenatmung, damit die Konzentration vollständig beim Armzug bleibt.

Schritt 3: Die seitliche Atmung

Die seitliche Atmung ist der letzte Baustein, weil sie Beinschlag, Armzug und Atmung koordinieren muss. Der Kopf dreht beim Kraul nicht eigenständig nach oben, sondern dreht mit der Körperrolle zur Seite. Eingeatmet wird, wenn Schulter und Ellenbogen der Atmungsseite nach oben zeigen, und ein Ohr bleibt dabei im Wasser. Kinder heben den Kopf dagegen oft nach vorn an, was die Hüfte absinken lässt und den Rhythmus bricht.

Die Gesamtbewegung zusammensetzen

  1. 1.Zuerst gleichmäßig unter Wasser ausatmen: Das Kind pustet ruhig Blubberblasen ins Wasser, etwa fünf bis zehn, ohne den Blick anzuheben
  2. 2.Dann kurz seitlich einatmen: Der Mund kommt beim Rollen zur Seite knapp über die Oberfläche, das Ohr bleibt nass
  3. 3.Zum Schluss die Teile verbinden: Vom Beckenrand abstoßen, gleiten, den Beinschlag anschalten, dann den Armzug dazunehmen und zuletzt die Atmung einkoppeln

Das Timing der Atmung folgt dem Armzug: Die Kraulatmung beginnt, sobald der Arm die Rückholphase startet, dann dreht der Kopf zur Seite und das Kind atmet ein; ist die Rückholphase beendet, liegt der Kopf wieder im Wasser. Wer unter Wasser die Luft anhält, muss beim Drehen erst ausatmen und dann einatmen, denn in dem kurzen Zeitfenster fehlt dafür die Zeit.

Typische Fehler beim Kraulen und die richtigen Hilfsmittel

Fehlerbilder beim Kraulen sind normal und lassen sich freundlich korrigieren, wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen. Die vier häufigsten Fehler betreffen die Wasserlage, die Fußgelenke, die Atmung und die Zugbahn:

FehlerWas passiertSo helfen Sie Ihrem Kind
Kopf zu hochDer angehobene Kopf drückt die Hüfte nach unten, die Beine sinken und bremsenBlick nach unten zum Beckenboden richten, erst Blubberblasen üben, dann seitlich atmen
Verkrampfte FußgelenkeGestreckte, steife Füße wirken wie Bremsen und verschlechtern die WasserlageBeinschlag isoliert mit dem Brett üben, lockerer Rhythmus statt großer Scheren
Luft anhaltenBeim Drehen muss das Kind erst ausatmen und dann einatmen, der Rhythmus kipptAusatmen ins Wasser fest verankern, Einatmen nur kurz seitlich
Hand kreuzt über die KörpermitteDie Hand taucht vor der Nase statt schulterbreit ein, die Wasserlage wird unruhigEintauchen vor der Schulter üben, einarmig mit Brett

Bei den Hilfsmitteln gilt eine klare Arbeitsteilung: Das Schwimmbrett lenkt die Aufmerksamkeit auf den Beinschlag, der Pull-Buoy verhindert beim Armzugtraining das Absinken der Beine. Beim Kauf von Auftriebshilfen sollten Sie auf die Kennzeichnung nach der Normenreihe DIN EN 13138 für Auftriebshilfen zum Schwimmenlernen achten. Wie die Hilfsmittel sicher eingesetzt werden, lesen Sie im nächsten Abschnitt.

Sicherheit beim Üben: Aufsicht ist Pflicht

Die wichtigste Regel vor allen Technikfragen: Schwimmkenntnisse ersetzen keine Aufsicht. Die DLRG formuliert es unmissverständlich, Kinder, die schwimmen und baden, sollten ständig beaufsichtigt werden, und auch nach dem Seepferdchen müssen sie weiterhin intensiv im Blick bleiben. Für die Übungseinheiten zum Kraulen bedeutet das konkret:

  • Ein Erwachsener oder die Beckenaufsicht behält Ihr Kind während der gesamten Übungszeit im Blick, auch wenn es nur kurze Strecken schwimmt
  • Baderegeln gehören zum Üben dazu: Sie werden vorab geklärt und in konkreten Situationen am Becken wiederholt angesprochen
  • Schwimmbrett und Pull-Buoy kommen nur unter Aufsicht ins Wasser, denn sie können verrutschen oder verloren gehen
  • Erschöpfung kommt beim Üben plötzlich, deshalb gehören feste Pausen in jede Einheit

Am schnellsten lernen Kinder Kraulen, wenn jemand sie im Wasser begleitet: Eine Kursleiterin kann die Wasserlage korrigieren, den Beinschlag im Blick behalten und jede Einheit auf einen Technikfokus legen. Genau so arbeiten unsere Schwimmkurse für Kinder von 4 bis 7 Jahren in kleinen Gruppen, von der Wassergewöhnung bis zur Seepferdchen-Vorbereitung und darüber hinaus. Hat Ihr Kind das Seepferdchen in der Tasche und Lust auf den ersten Kraulzug, können Sie eine Schnupperstunde buchen und die Übungen direkt im Wasser erleben.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter können Kinder Kraulen lernen?

Sobald Ihr Kind die Grundlagen beherrscht, etwa das Seepferdchen-Niveau mit 25 m Schwimmen und Sprung vom Beckenrand. Die DLRG gibt als Orientierung für den Beginn der Schwimmausbildung etwa das fünfte Lebensjahr an; der Kraul-Aufbau ist dann typischerweise der nächste Schritt.

Was ist der Unterschied zwischen Kraulen und Brustschwimmen?

Kraulen ist eine Wechselschwimmart: Arme und Beine bewegen sich abwechselnd, der Körper rollt um die Längsachse, geatmet wird seitlich. Brustschwimmen arbeitet symmetrisch und verlangt eine komplexe Koordination von Armen, Atmung und Beinschlag. Die DLRG bezeichnet Kraulen als effektivste Schwimmart, weil die Bewegungen natürlichen Bewegungsmustern folgen.

Welche Hilfsmittel helfen beim Kraulen lernen?

Das Schwimmbrett eignet sich für den Beinschlag, weil es die Aufmerksamkeit auf die Beinbewegung lenkt. Der Pull-Buoy wird zwischen die Oberschenkel geklemmt und verhindert beim Armzugtraining das Absinken der Beine. Beide sind Übungshilfen, keine Sicherheitsausstattung: Sie können verrutschen oder verloren gehen.

Wie funktioniert die seitliche Atmung beim Kraulen?

Der Kopf dreht sich mit der Körperrolle zur Seite, ohne angehoben zu werden. Eingeatmet wird, wenn Schulter und Ellenbogen des Atemarms nach oben zeigen; unter Wasser wird gleichmäßig ausgeatmet. Am einfachsten übt Ihr Kind das erst im Stand, dann einarmig mit Schwimmbrett, bevor die Atmung in die Gesamtbewegung eingebaut wird.

Reicht das Seepferdchen, damit mein Kind unbeaufsichtigt schwimmen darf?

Nein. Die DLRG betont, dass Kinder mit Seepferdchen weiterhin intensiv beim Schwimmen beaufsichtigt werden müssen. Als sicherer Schwimmer gilt ein Kind erst mit dem Deutschen Schwimmabzeichen Bronze (Freischwimmer), das unter anderem 15 Minuten durchgehendes Schwimmen verlangt.

Wie lange dauert es, bis ein Kind Kraulen kann?

Das ist individuell verschieden, denn Vorerfahrung, Übungshäufigkeit und Wohlbefinden im Wasser spielen eine große Rolle. Die DLRG weist darauf hin, dass viele Kinder im Schulschwimmen nicht zu sicheren Schwimmern werden und das Lernen deshalb fortgesetzt werden sollte. Für den Kraul-Aufbau gilt: kurze, technisch saubere Strecken sind wertvoller als weite Strecken um jeden Preis.

Welche Fehler machen Kinder beim Kraulen am häufigsten?

Typisch sind ein zu hoch gehobener Kopf, wodurch die Hüfte absinkt, verkrampfte Fußgelenke beim Beinschlag, Luftanhalten statt gleichmäßigem Ausatmen und ein Eintauchen der Hand über die Körpermitte hinaus. Diese Fehler lassen sich mit Bildern und Kontrastübungen korrigieren, etwa dem Gesicht-ans-Wasser-Legen und dem Blubbern unter Wasser.

Quellen

  1. [1]dlrg.de
  2. [2]dlrg.de
  3. [3]mobilesport.ch
  4. [4]swimskills.de
  5. [5]swimy.de
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