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Brustschwimmen lernen für Kinder: Ab wann und welche Schritte

von Marie Lindholm15. September 20268 Min. Lesezeit
Kind übt in Bauchlage den Brustschwimm-Beinschlag mit Schwimmbrett, Kursleiterin schwimmt im Wasser daneben und gibt Korrekturhinweise

Ab wann können Kinder Brustschwimmen lernen?

Kurz gesagt: Die DLRG gibt als Orientierung den Beginn der Schwimmausbildung mit etwa 5 Jahren an, eine feste Altersgrenze gibt es jedoch nicht. Entscheidend ist nicht das Kalenderalter, sondern ob Ihr Kind die notwendige koordinative Reife mitbringt und sich im Wasser sicher fühlt. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, zuvor Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) fasst die Empfehlung ebenso zusammen: Kinder sollten ab etwa fünf Jahren mit dem Schwimmenlernen beginnen, jüngere Kinder können zuvor spielerisch ans Wasser gewöhnt werden.

Warum die koordinative Reife entscheidend ist

Brustschwimmen ist eine Gleichschlagsart: Arme und Beine wechseln sich ab, dazwischen liegt eine Gleitphase, und die Atmung muss in diesen Rhythmus eingebaut werden. Ein Kind muss also mehrere Bewegungen gleichzeitig koordinieren, während es seinen Auftrieb erst noch spüren lernt. Diese Fähigkeit reift individuell, weshalb ein Kind mit fünf Jahren weiter sein kann als ein Kind mit sechs. Die DLRG betont, dass jeder Mensch verschieden ist: Manche Kinder sind geschickter, manche haben Angst vor Wasser.

  • Ihr Kind lässt Wasserspritzer im Gesicht zu und taucht freiwillig das Gesicht ins Wasser.
  • Es kann unter Wasser ausatmen, zum Beispiel beim Blubbern.
  • Es gleitet kurz in Bauchlage, sich abstoßend vom Beckenrand oder von Ihren Händen.
  • Es hält sich im flachen Wasser ohne feste Schwimmhilfe über Wasser und zeigt Grundfreude am Element.
  • Es akzeptiert, dass eine erwachsene Person Regeln vorgibt und in der Nähe bleibt.

Fehlt eine dieser Voraussetzungen, ist das kein Grund zur Sorge, sondern ein Hinweis darauf, dass die Wassergewöhnung noch Zeit braucht. Jüngere Kinder können und sollten spielerisch an das Wasser herangeführt werden, ohne schon Technik lernen zu müssen; dazu gehört auch die sanfte Begleitung wasserscheuer Kinder. Sind Sie unsicher, ob die Entwicklung Ihres Kindes für einen Schwimmkurs bereit ist, fragen Sie im Zweifel Ihren Kinderarzt oder Ihr Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ).

Wassergewöhnung, Seepferdchen und Brustschwimmen: die Stufen im Überblick

Viele Eltern verwenden die Begriffe Wassergewöhnung, Seepferdchen und Brustschwimmen synonym. Tatsächlich beschreiben sie drei klar getrennte Stufen auf dem Weg zum sicheren Schwimmer. Wer die Grenzen kennt, kann die Erwartungen an das Kind realistisch setzen und weiß, was als Nächstes kommt.

StufeWas passiertWas das Kind danach kann
WassergewöhnungSpielen, Blubbern, Wasserspritzer zulassen, Schweben und Gleiten erleben. Es geht um Vertrauen ins Wasser, ausdrücklich nicht um Technik.Angstfreiheit und Grundfertigkeiten wie Gesicht ins Wasser tauchen und unter Wasser ausatmen.
Seepferdchen (Frühschwimmer)Sprung vom Beckenrand mit anschließendem 25 m Schwimmen in Bauch- oder Rückenlage in Grobform sowie Heraufholen eines Gegenstands aus schultertiefem Wasser, dazu Kenntnis der Baderegeln.Eine erste Grobform über 25 Meter; Details dazu erklärt unser Ratgeber zum Seepferdchen-Abzeichen.
Brustschwimmen als TechnikAufbau der sauberen Technik in Schritten: Beinschlag, Armtzug, Atmung, Gesamtkoordination. Erst mit dem Deutschen Schwimmabzeichen Bronze gilt ein Kind als sicherer Schwimmer.Kraftsparende, erkennbare Schwimmart mit koordinierter Atmung über längere Strecken.

Praktisch bedeutet das: Nach dem Seepferdchen beginnt die Arbeit an der sauberen Brustschwimmtechnik, die über die Stufen des Deutschen Schwimmabzeichens bis zur Wassersicherheit ausgebaut wird. Wassersicher gilt ein Kind erst, wenn es sich unter Wasser genauso gut zurechtfindet wie über Wasser und 15 Minuten ohne Halt und ohne Hilfen im tiefen Wasser schwimmen kann.

Schritt 1: Der Beinschlag mit Schwimmbrett üben

Der Beinschlag liefert beim Brustschwimmen den Hauptvortrieb und steht deshalb am Anfang jeder methodischen Reihe. Die gute Nachricht für Eltern: Die Bewegung lässt sich zu Hause ohne Wasser vorbereiten, denn an Land kann Ihr Kind den Bewegungsweg sehen und selbst kontrollieren, was im Wasser kaum möglich ist.

  1. 1.An Land üben: Im Sitzen die Fersen zum Gesäß ziehen, die Füße nach außen drehen (die sogenannte Charlie-Chaplin-Position), dann die Beine bogenförmig nach hinten außen drücken und wieder schließen. Ein Gymnastikreifen kann als Orientierung dienen, an dessen Innenseite die Fersen den Bogen malen.
  2. 2.Am Beckenrand wiederholen: Weit nach vorne auf die Beckenkante setzen, Oberkörper nach hinten legen, mit den Händen abstützen und dieselbe Bewegung ausführen: Fersen zum Po, Unterschenkel und Füße ausdrehen, kräftiger bogenförmiger Beinschub bis die Beine gestreckt und geschlossen sind.
  3. 3.Im Wasser in Rückenlage beginnen: Ihr Kind hält das Schwimmbrett über der Hüfte. Das Brett verhindert eine Sitzhaltung im Wasser und die Brettbreite hilft, die Knieöffnung abzuschätzen. Vorteil dieser Lage: freie Atmung.
  4. 4.Dann in Bauchlage wechseln: Schwimmbrett in Vorhalte, der Kopf liegt zwischen den gestreckten Armen. Zuerst nur kurze Strecken ohne Atmung schwimmen, zum Einatmen hinstellen und neu beginnen.

Eine Faustregel für die richtige Weite: Die Knie öffnen sich etwa schulterbreit, sie werden nicht unter den Bauch gezogen. Aus dieser Position drücken die Fußsohlen und Innenseiten der Unterschenkel das Wasser bogenförmig nach hinten außen weg, bevor sich die Beine gestreckt und geschlossen wieder zusammenfinden. Genau dieser Abdruck, nicht das Strampeln, bringt den Vortrieb.

Schritt 2: Armtzug und Atemtechnik aufbauen

Der Armzug wird zunächst für sich geübt und erst danach mit dem schon gekonnten Beinschlag verbunden (die vollständige Schrittfolge finden Sie weiter unten unter Schritt 3). Vorbereiten lässt sich der Zug ohne Wasser: stehend im Flachwasser oder an Land mit vorgebeugtem Oberkörper, damit Ihr Kind die Handbahn selbst sehen kann.

  1. 1.Armzug an Land und stehend üben: Die Hände fassen Wasser etwa auf Schulterbreite nach außen, dann zieht Ihr Kind die Hände über die fixierten Ellbogen nach vorne zur Brust. Der Zug bleibt kurz und schmal statt weit nach hinten zu rudern, denn ein zu großer Ruderzug bremst.
  2. 2.Atemzeitpunkt verstehen: Eingeatmet wird, wenn die Hände und Ellbogen unter die Brust drücken und sich der Oberkörper aufrichtet. Sobald der Kopf zwischen den gestreckten Armen nach vorne liegt, wird das Gesicht ins Wasser gesenkt und ausgeatmet.
  3. 3.Blubber-Übungen als Fundament: Bevor die Atemkoordination in den Schwimmzyklus eingebaut wird, übt Ihr Kind die Grundfertigkeit, kontinuierlich über Wasser ein- und unter Wasser auszuatmen, zum Beispiel zehn bis fünfzehn Mal in Folge im Flachwasser.

Wenn Ihr Kind beim Atmen Wasser schluckt, ist meist die Kopfhebung zu groß. Üben Sie die Atmung im Stehen: Der Mund knapp über dem Wasser kurz einatmen, das Gesicht wieder ins Wasser senken und ausblasen. Erst wenn das gelingt, wird die Bewegung ins Gleiten übertragen.

Schritt 3: Gesamtkoordination mit Gleitphase

Jetzt werden Arm- und Beinantrieb gekoppelt, die Atmung kommt zuletzt dazu. Dieses Vorgehen folgt der Teillernmethode in fünf Schritten: erst die erste Antriebsbewegung, dann die zweite, dann ihre Koordination, dann die Atembewegung im Armzug und schließlich die Kombination der Atmung mit der Gesamtbewegung.

  1. 1.Zug und Einatmen: Nach dem Abstoßen und Gleiten beginnt der Zyklus mit dem Armzug, während der Oberkörper sich aufrichtet und Luft geholt wird.
  2. 2.Beinschlag und Arme vorschieben: Der Beinschub treibt an, während die Arme gestreckt nach vorne gebracht werden und die flache Wasserlage wiederherstellen.
  3. 3.Gesicht ins Wasser und ausatmen: Der Kopf legt sich nach vorne aufs Wasser, die Ausatmung beginnt.
  4. 4.Kurze Gleitphase: Das Kind liegt gestreckt im Wasser, bevor der nächste Zyklus mit dem Armzug beginnt.

Zunächst genügen kurze Strecken mit drei bis vier Zyklen; danach stellt sich Ihr Kind hin, atmet und beginnt neu. Betonen Sie die Gleitphase bewusst, zum Beispiel mit dem Zählrhythmus 1 Zug, 2 Beinschlag, 3 Gleiten. Die kurze Unterbrechung der Antriebsbewegungen nach dem Beinschub wirkt kraftsparend und gibt Schwimmanfängern mehr Zeit, die Ausatmung in die Gesamtbewegung einzubinden.

Typische Fehler beim Brustschwimmen und ihre Korrektur

Wenn Ihr Kind viel tritt, aber kaum vorankommt, stecken fast immer dieselben drei Fehler dahinter: ein zu hoher Kopf, ein falscher Beinschlag und ein Timing ohne Gleitphase. Die folgende Übersicht zeigt, woran Sie den Fehler erkennen und welches Korrekturbild hilft.

FehlerWas passiertKorrektur
Kopf zu hochDas Becken sinkt ab, der Wasserwiderstand steigt deutlich, das Kind arbeitet gegen sich selbst.Korrekturbild: Das Wasser küsst die Stirn. Der Blick geht schräg nach unten, der Nacken bleibt lang, nur der Mund schaut kurz heraus.
Falscher BeinschlagFahrrad- oder Grätschschwung mit spitzen Füßen statt Froschbeinen aus der Hüfte, oft werden die Knie unter den Bauch gezogen. Das bremst statt zu treiben.Fersen zum Po ziehen, Füße locker nach außen drehen, dann kräftig nach hinten außen drücken und die Beine lang zusammenführen. Die Fußstellung lässt sich barfuß an Land üben.
Fehlende Gleitphase, zu großer RuderzugHektisches Timing ohne Pause nach dem Beinschlag, dazu ein weit nach hinten führender Armzug, der zusätzlich bremst.Pro Bahn nur einen Fokus üben und laut zählen: 1 Zug und Atem, 2 Beinschlag, 3 Gleiten. Nach dem Beinschlag bewusst eine Sekunde gestreckt liegen bleiben.

Zwei bis drei kurze Übungseinheiten pro Woche reichen aus, entscheidend ist die Qualität: Jede Bahn mit einem klaren Fokus, etwa nur der Kopf, nur die Beine oder nur das Timing. Auffallend ist dabei, dass sich die Beinbewegung leichter korrigieren lässt, wenn Ihr Kind sie barfuß an Land wiederholt, bevor sie im Wasser geübt wird.

Sicherheit beim Üben: Beckenaufsicht ist Pflicht

Sicherheit hat Vorrang vor jedem Technikziel. Kein Fortschritt im Brustschwimmen gleicht das Risiko aus, das entsteht, wenn ein Kind unbeaufsichtigt im Wasser ist. Die folgenden Regeln gelten unabhängig davon, wie weit Ihr Kind im Kurs schon ist.

  • Schwimmkenntnisse ersetzen keine Aufsicht: Kinder bis ins Grundschulalter brauchen eine lückenlose Beaufsichtigung, Nichtschwimmer immer in Armreichweite. Auch bei vorhandener Badeaufsicht bleiben Erziehungspersonen in der Pflicht zur aktiven Aufsicht.
  • Schwimmhilfen bieten keine Sicherheit: Schwimmbretter und Schwimmflügel verändern die Körperbewegungen und die Lage im Wasser, können verrutschen oder verloren gehen und dürfen deshalb nur unter Aufsicht eingesetzt werden.
  • Baderegeln von Anfang an üben: Machen Sie Ihr Kind früh mit den Baderegeln der DLRG vertraut und erinnern Sie in konkreten Situationen immer wieder daran, denn einmalige Belehrungen werden vergessen.

Wenn die Wassergewöhnung abgeschlossen ist, ist der nächste Schritt eine gezielte Schwimmausbildung in kleiner Gruppe. In der Lernwelt Schwimmen von LearningBirds üben Kinder von 4 bis 7 Jahren unter Anleitung geprüfter Schwimmlehrerinnen von der Wassergewöhnung bis zur Seepferdchen-Vorbereitung. Wenn Sie Ihr Kind zuerst unverbindlich ausprobieren lassen möchten, buchen Sie eine Schnupperstunde.

Häufige Fragen

Ab wann sollten Kinder mit dem Brustschwimmen beginnen?

Die DLRG nennt als Orientierung den Beginn der Schwimmausbildung mit 5 Jahren, eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Entscheidend sind die Wassergewöhnung und die individuelle Reife: Das Kind sollte Wasser im Gesicht zulassen, unter Wasser ausatmen und keine Angst vor dem Element haben. Jüngere Kinder profitieren zuerst von spielerischer Wassergewöhnung ohne Techniktraining.

Ist mein Kind mit dem Seepferdchen schon ein sicherer Brustschwimmer?

Nein. Für das Seepferdchen sind der Sprung vom Beckenrand, 25 m Schwimmen in Bauch- oder Rückenlage in Grobform, das Heraufholen eines Gegenstands aus schultertiefem Wasser und die Kenntnis der Baderegeln nötig. Die DLRG betont, dass das Seepferdchen noch kein Nachweis für sicheres Schwimmen ist, und empfiehlt die Ausbildung bis zum Deutschen Schwimmabzeichen Bronze (Freischwimmer).

In welcher Reihenfolge lernen Kinder das Brustschwimmen?

In der Praxis beginnt man mit dem Beinschlag, weil er den Hauptvortrieb liefert, zuerst an Land und am Beckenrand, dann im Wasser mit Schwimmbrett. Danach folgen der Armzug, die Atmung und zuletzt die Gesamtkoordination. Die genaue Schrittfolge nach der Unterrichtshilfe der Unfallkasse NRW steht im Abschnitt zur Gesamtkoordination.

Welche Fehler treten beim Brustschwimmen bei Kindern am häufigsten auf?

Die drei klassischen Fehler sind: Der Kopf wird beim Atmen zu hoch gehoben, sodass das Becken sinkt und der Wasserwiderstand steigt. Die Beine strampeln wie beim Fahrradfahren mit spitzen Füßen statt der bogenförmigen Froschbewegung. Und die Gleitphase nach dem Beinschlag fehlt, wodurch die Bewegung hektisch und kraftzehrend wird. Alle drei lassen sich mit klaren Bildern und kurzen Übungen korrigieren.

Hilft ein Schwimmbrett beim Brustschwimmen lernen?

Ja, aber nur als Übungshilfe. Mit dem Schwimmbrett in Vorhalte werden die Arme fixiert, sodass sich das Kind ganz auf die Beinbewegung konzentrieren kann. Sicherheit bietet es nicht: Haltgebende Schwimmhilfen können verloren gehen, deshalb rät die DLRG vom Einsatz ohne Aufsicht dringend ab.

Wie lange dauert es, bis ein Kind Brustschwimmen kann?

Das ist individuell sehr verschieden und hängt von Beweglichkeit, Kondition und der Einstellung zum Wasser ab. Als Richtwert rechnen Schulen bei einem 8-jährigen Kind mit mindestens 30 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten, bis das Kind sicher schwimmen kann. Für jüngere Kinder sollte entsprechend mehr Zeit eingeplant werden.

Muss ich mein Kind beim Schwimmtraining beaufsichtigen?

Ja, ausnahmslos. Schwimmkenntnisse ersetzen die Aufsicht nicht: Bis ein Kind wassersicher ist und 15 Minuten ohne Halt und ohne Hilfen im tiefen Wasser schwimmen kann, braucht es Aufsicht. Kinder unter drei Jahren können sich nach einem Sturz ins Wasser oft noch nicht selbst aufrichten, sodass schon in knietiefem Wasser Lebensgefahr besteht.

Quellen

  1. [1]dlrg.de
  2. [2]kindergesundheit-info.de
  3. [3]dlrg.de
  4. [4]sichere-schule.de
  5. [5]swimy.de
  6. [6]dlrg.de
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