
Was ist Koordination bei Kindern genau?
Koordination ist das harmonische Zusammenwirken von Sinnesorganen, peripherem und zentralem Nervensystem und Skelettmuskulatur. Nach dem Modell von Meinel und Schnabel bewirken koordinative Fähigkeiten, dass die Impulse innerhalb eines Bewegungsablaufs zeitlich, in der Stärke und im Umfang aufeinander abgestimmt werden und die entsprechenden Muskeln erreichen. Einfacher gesagt: Koordination ist die Feinsteuerung hinter jeder Bewegung, vom Greifen nach einem Becher bis zum Überqueren einer Kletterwand.
Wichtig für Eltern und Erzieherinnen: Koordination ist nicht angeboren. Sie muss erlernt, gefestigt und weiterentwickelt werden. Jedes Kind bringt dafür die Voraussetzungen mit, aber ob und wie gut sich koordinative Fähigkeiten entfalten, hängt stark davon ab, wie vielfältig ein Kind bewegen darf und muss.
Abgrenzung: Koordination, Grobmotorik und Gleichgewicht
Die drei Begriffe werden oft vermischt, beschreiben aber Unterschiedliches. Grobmotorik umfasst die großen Bewegungen mit großen Muskelgruppen, also Laufen, Springen, Klettern. Koordination steuert diese Bewegungen: Sie entscheidet, wie präzise, wirtschaftlich und situationsgerecht sie ablaufen. Ein Kind kann kräftig rennen (Grobmotorik), aber beim Fangen eines Balls noch unsicher sein, weil die Kopplung von Auge, Arm und Hand geübt werden muss.
Gleichgewicht ist wiederum keine eigene Größe neben der Koordination, sondern eine von fünf koordinativen Fähigkeiten. Neben der Gleichgewichtsfähigkeit zählen dazu die Orientierungsfähigkeit, die Differenzierungsfähigkeit, die Rhythmisierungsfähigkeit und die Reaktionsfähigkeit. In der Praxis greifen diese Fähigkeiten immer zusammen, eine kommt nie allein zum Zug.
| Begriff | Was er bedeutet | Beispiel |
|---|---|---|
| Grobmotorik | Große Bewegungen mit großen Muskelgruppen | Rennen, Klettern, Springen |
| Koordination | Feinabstimmung von Wahrnehmung, Nervensystem und Muskulatur | Ball präzise fangen, im Takt klatschen |
| Gleichgewicht | Eine von fünf koordinativen Fähigkeiten | Rückwärtsbalancieren auf einer Linie |
Welche Cross-Lateral-Übungen fördern die Koordination?
Cross-Lateral-Übungen sind Überkreuzbewegungen: Eine Körperseite arbeitet mit der anderen über die Körpermitte hinweg zusammen. Sie fordern Kopplung, Orientierung und Rhythmisierung gleichzeitig und brauchen kein Material. Wichtig ist Vielfalt: Wer dieselben Fähigkeiten auf vielfältige Art trainiert, ohne immer dasselbe zu tun, lernt effizienter. Zwei bis drei Minuten im Morgenkreis oder vor dem Abendessen genügen.
- Überkreuzbewegungen: Im Stand die rechte Hand zum linken Knie führen, dann die linke Hand zum rechten Knie. Später im Gehen oder mit geschlossenen Augen.
- Gleichzeitige Doppelaufgaben: Mit der einen Hand auf den Kopf tippen, mit der anderen den Bauch kreisen. Oder marschieren und dabei Farben aufzählen.
- Werfen und Fangen: Einen Softball oder ein Tuch über Kreuz zuwerfen, immer mit der Hand fangen, die auf der Gegenseite liegt. Zwischendurch einmal in die Hände klatschen.
- Rhythmus mit Klatschen und Stampfen: Im Kreis einen einfachen Takt vorgeben, links Arm hoch, rechts Bein an, dann Seitenwechsel. Tempo langsam steigern.
- Spiegelspiele: Ein Kind führt Überkreuzbewegungen vor, die anderen ahmen sie seitenrichtig nach. Das trainiert Orientierung und Reaktion mit.
Diese Übungen lassen sich ohne Vorbereitung zu Hause oder im Morgenkreis der Kita anleiten. Wenn Sie zusätzlich eine angeleitete Gruppe mit Geräten und Bewegungslandschaften ausprobieren möchten, bietet sich Kinderturnen und Psychomotorik an. Eine Schnupperstunde lässt sich unverbindlich buchen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Koordination und Gleichgewicht?
Gleichgewicht ist nur ein Teil der Koordination. Fachleute zählen es zu den fünf koordinativen Fähigkeiten neben Orientierung, Differenzierung, Rhythmisierung und Reaktion. Koordination als Oberbegriff bedeutet das Zusammenwirken von Sinnesorganen, Nervensystem und Muskulatur, damit eine Bewegung situationsgerecht und ökonomisch gelingt.
Was sind Cross-Lateral-Übungen genau?
Cross-Lateral-Übungen sind Bewegungen, bei denen Arme und Beine über die Körpermitte hinweg gegenseitig eingesetzt werden, etwa die rechte Hand ans linke Ohr. Sie verbinden beide Körperseiten und fordern Orientierung und Kopplungsfähigkeit zugleich. Krabbeln im Vierfüßlerstand ist die natürliche Urform dieser Überkreuzbewegung.
Ab wann können Kinder Überkreuzbewegungen?
Krabbeln als frühe Überkreuzbewegung beginnt im ersten Lebensjahr. Sicheres, gezieltes Überkreuzen der Körpermitte im Stehen, etwa bei Klatschspielen mit Anweisungen, entwickelt sich typischerweise im Vorschulalter und wird durch vielfältige Bewegungserfahrungen gefestigt. Üben Sie spielerisch und ohne Druck.
Wie oft sollten Kinder Koordinationsübungen machen?
Die Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung geben für Kindergartenkinder von 4 bis 6 Jahren mindestens 180 Minuten Bewegung pro Tag an, angeleitet und nicht angeleitet. Kurze Koordinationsspiele von wenigen Minuten lassen sich gut über den Tag verteilen, entscheidend ist Vielfalt statt immer derselben Übung.
Reichen Alltagsübungen oder braucht mein Kind einen Kurs?
Beides ergänzt sich: Alltagsbewegung baut die Basis, angeleitete Gruppen wie Kinderturnen oder Psychomotorik bieten Geräte, Raum und Vielfalt, die zu Hause oft fehlen. Der Deutsche Turner-Bund beschreibt Kinderturnen als Förderung von Koordination, Beweglichkeit, Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer. Eine Schnupperstunde im Kinderturnen von LearningBirds zeigt, ob das Format zum Kind passt.
Hilft Koordinationstraining auch der Konzentration?
Forschungsarbeiten sehen Zusammenhänge zwischen motorisch-koordinativer Bewegung und kognitiven Funktionen wie Aufmerksamkeit, weil beide ähnliche Hirnstrukturen beanspruchen. Ein garantierter Effekt auf Impulskontrolle oder Konzentration lässt sich daraus aber nicht ableiten. Koordinationstraining ist Bewegungsförderung, kein Konzentrationsprogramm.
Mein Kind fällt beim Fangen und Balancieren stark auf. Was soll ich tun?
Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell, einzelne Schwächen sind erst einmal normal. Wenn Auffälligkeiten über längere Zeit bestehen oder den Alltag deutlich einschränken, sprechen Sie den Kinderarzt oder ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) an. LearningBirds ist Bildungsanbieter und übernimmt keine Diagnostik oder Therapie.